Protest am Braunkohletagebau Garzweiler

Gelb ist das neue Rot, so schien es am 07.08.2021 an der Abbaukante des Braunkohletagebaus Garzweiler zwischen den vom Abriss bedrohten Dörfern Lützerath und Keyenberg.

Die Umweltgruppen Greenpeace, Campact, BUND, Alle Dörfer Bleiben, Extinction Rebellion, Naturfreunde und die Klima-Allianz Deutschland hatten zur Bildung einer Menschenkette zwischen den Ortschaften aufgerufen, um der „NRWE“-Kohlelobby mit einer „roten Linie“ die Dringlichkeit  eines früheren Ausstiegs aus der Kohleenergie zur Einhaltung der Klimaziele aufzuzeigen.  Als verbindendes Element erhielten alle Mitwirkende auf der etwa 4,5 km langen Strecke ein gelbes Band – womit gleichzeitig auch der Corona-konforme Abstand bemessen werden konnte. Und so zog sich um die Mittagszeit ein gelber Lindwurm durch die grünen Felder. Fortsetzung unten!

Das befremdliche Zitat des CDU-Kanzlerkandidaten Laschet zu der auf die Klimakrise hindeutenden Hochwasserkatastrophe drei Wochen zuvor, „weil jetzt ein solcher Tag ist, ändert man nicht die Politik“, stieß hier bei vielen Aktivisten auf Fassungslosigkeit und regen Widerspruch.

Antje Pistel, eine Bewohnerin des vom Abriss verschont gebliebenen Holzweiler, verwies in einer Pressemitteilung dazu auf ein neueres Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW): Danach dürften nur noch 70 Mio. Tonnen Braunkohle verfeuert werden, wenn die vereinbarten Klimaziele mit einer Erderwärmung bis zu 1,5° C noch eingehalten werden sollen. Das RWE wolle mit Billigung der von Laschet geführten Landesregierung stattdessen noch 650 Mio. Tonnen fördern.

Nach Auflösung der Menschenkette versammelten sich die Aktiven zu einem Anschlussprogramm aus Musik der „Punkpolka-Band“ HotstopBanda u. a. sowie Diskussionsbeiträgen verschiedener Aktivisten an der Bühne in Keyenberg.  

Sowohl die Veranstalter als auch die Polizei-Pressesprecher zeigten sich mit dem bei reger Beteiligung störungsfreien Verlauf der Aktion zufrieden.

Weitere Protestaktionen in der Region wurden bereits angekündigt, so am 01.10.2021 – dem Beginn der Rodungssaison, ab der RWE weitere Wald-, Garten- und Straßenbäume in den Abbauflächen entfernen will, und am 01.11.2021, wenn dem letzten Landwirt in Lützerath die Zwangsenteignung droht.

Text: Udo Slawiczek, Fotos: Udo Slawiczek (US) und Hubert Perschke

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