Kirche ohne Moral?

Am 27.11.2021 hatten die Bewohner aus Keyenberg, Berverath und Kuckum letztmals die Möglichkeit ihre Kirchen als einen geheiligten Ort zu besuchen. Bereits einen Tag später wurden sie sang- und klanglos profaniert und sind damit keine Gotteshäuser mehr. Dieser Schritt der Diözese Aachen und des Gemeindepfarrers einschließlich seines Kirchenvorstandes stieß in der Breite der Gemeinde auf Unverständnis und Ablehnung. Den in den Dörfern verbliebenen Menschen wird mit diesem Schritt ein Stück Heimat genommen. Die Kirche hat sie im Stich gelassen, obwohl sie auf ihre Fahne geschrieben hat, für die Menschen da zu sein. Unverständlich ist dieser Schritt, da mit der Umsetzung des kommenden Koalitionsvertrages die Dörfer nicht mehr für den Tagebau geopfert werden. Aber warum eilt die katholische Kirche vorweg und übergibt ohne einen triftigen Grund ihr Eigentum an RWE? Sind es die Betriebskosten, die mit der Übergabe an RWE eingespart werden? Oder ist es die Tradition, in der die Kirchenfürsten mehr mit den Herrschenden verbunden waren als mit ihren Gläubigen?

Wütend waren die Menschen, auch weil ihre denkmalgeschützten Kirchen mit der Profanierung zur „Plünderung“ frei gegeben werden. Sakrale Gegenstände sollen den denkmalgeschützten Gebäuden entnommen werden, ohne dass ein Grund den Verbliebenen genannt wird. Auch wurde den Besuchern das Erinnerungsfoto ihrer Kirche verwehrt. Ein Ordnungsdienst achtete in allen drei Kirchen darauf. Trotzdem gelang es „unter erschwerten Bedingungen“ hin und wieder ein Bild festzuhalten. Der Gemeindepfarrer Rombach war in Berverath und Keyenberg an und in den Kirchen zu sehen. Aber den Kontakt zu den Menschen der Orte suchte er nicht. Die Ordnungskräfte und die Polizei waren seine Ansprechpartner.

Eine Prozession, die von Keyenberg aus startete und über Berverath und Kuckum wieder in Keyenberg eintraf, gab am Abend die Ortskirche auch nicht frei. Das Gotteshaus war auch nicht mehr abschließbar. Die Schlösser waren verklebt. Die gerufenen Polizei verhielt sich zurückhaltend.

Merzenich, den 29.11.2021  Text und Bilder: Hubert Perschke

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